| |
RENNSERIE
Superkarts sind richtige Rennwagen, die man mit einsitzigen Formelautos vergleichen kann.
Division I
Zweizylinder 250ccm
Leistung ca. 110 PS
Höchstgeschwindigkeit bis ca. 300 km/h
Beschleunigung v. 0-100km/h <2,5sec.
Mindestgewicht 210kg |
Division II
Einzylinder 250ccm
Leistung ca. 60- 75 PS
Höchstgeschwindigkeit > 250 km/h
Beschleunigung v. 0-100km/h <3sec.
Mindestgewicht 200kg |
Die Rennserie unterteilt sich, wie oben in der Tabelle zu sehen, in zwei Divisionen.
Für die Meisterschaft werden diese beiden Klassen getrennt gewertet, starten aber zusammen in einem Rennen. Das dadurch bedingt große Starterfeld, umfasst durchaus schon mal bis zu 60 Rennfahrzeuge. Dies macht dann auch die tollen Zweikämpfe aus.Hier ist Spannung pur angesagt, da in dieser Rennserie gut und gerne schon mal mehr als 5 Fahrzeuge gleichzeitig auf eine Kurve anbremsen.
Historie
SUPERKART-BEGINN IN DEUTSCHLAND
Erstmalig in Deutschland fand 1971 in Kaltenkirchen ein Rennen für 250 ccm Karts statt. Alle Fahrer kamen aus Dänemark. Gefahren wurde damals mit Zweizylinder-Yamaha-Motoren, die nebeneinander angeordnete Zylinder hatten und luftgekühlt waren.
Ein Jahr später wurde der Hamburger Bernd Bleek inspiriert, ebenfalls Superkart zu fahren. Er war der erste deutsche Fahrer und blieb es als "Dienstältester" bis heute. Um regelmäßig Rennen zu fahren, war man gezwungen, weite Reisen nach Dänemark und England in Kauf zu nehmen, wo dieser Sport schon länger etabliert war. Einer der ersten Fahrer war auch Thomas Lück aus Berlin, der von dem 100 ccm Kart in die 250iger Klasse umstieg.
Es dauerte eine ganze Zeit, bis allein deutsche Fahrer ein anständiges Fahrerfeld stellten; zum Glück kamen zu den norddeutschen Rennen Dänen und Schweden. Der Kart-Club von Deutschland - damals noch im AvD - schrieb genauso Meisterschaften wie der ADAC aus. Überwiegend wurde auf Kartbahnen gefahren. Ausgenommen waren hier Mainz-Finten und Kassel-Kalden, wo im Rahmenprogramm bei Autorennen unter begeisterten Zuschauern gestartet wurde. Erstmalig 1978 veranstaltete der RSG Hamburg / im ADAC eine Europameisterschaft in Uetersen auf dem Flugplatzgelände. Europameister wurde damals der Engländer Buddigiegh.
Schon damals schnitten deutsche Fahrer sehr gut ab; 4., 5. und 8. Plätze. Damals also die gleiche Situation wie sie wieder heute, fast 20 Jahre später, bei den Einzylinder-Superkarts ist. Schon damals wurde die RSG-Hamburg - mit Unterstützung anderer Clubs - Hauptveranstalter von 250 ccm Rennen im Langbahn- wie Kurzbahnbereich. Die RSG-Hamburg ist übrigens der Club in Deutschland, der die meisten Superkartfahrer hatte und bis heute seine Position beibehalten konnte.
Also, bevor ich anfange zu erzählen, wie faszinierend es sein kann, Superkarts am Limit zu bewegen, kommen zuvor die nüchternen Fakten. Mein Superkart - die offizielle Formulierung für diese Klasse lautet Formel E - hat ein Mindestgewicht von 205 Kilogramm, verfügt über einen Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 250 Kubikzentimeter, der bei ca. 14.500 U/min. zwischen 80 und 85 PS leistet. Das ganze wird mit einem Sechs-Gang-Getriebe in Bewegung gesetzt - Handkupplung am Lenkrad - und mit einer Vierscheiben-Bremsanlage verzögert. Soviel zu den Eckdaten, die, wie gesagt, recht nüchtern klingen. Doch bei Fahrern wie bei Zuschauern kommt Freude auf, wenn es um die Fahrleistung der Superkarts geht. Denn die stehen keiner Rennwagenklasse, bis hin zur Formel 1, in irgendetwas nach:
Beschleunigung von 0 auf 100 in 2,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit, je nach Übersetzung, bis zu 290 km/h. Hört sich doch ganz gut an, oder? Klar, daß man mit solchen Geschwindigkeiten nicht auf den normalen Kart-Strecken antreten kann. Wir fahren da, wo auch die "Großen" fahren, also auf dem Hockenheimring oder auf dem Nürburgring, in Assen, Spa, Zolder, Silverstone oder Le Mans. Ebenfalls wie bei den "Großen" ist England das Land mit der agilsten Szene. Dort werden die Zip- und Anderson-Karts gebaut, die mit Werksteam antreten, und dort lassen sich dann auch Budgets finden, von denen wir deutschen Fahrer nur träumen können. Und ebenfalls nur in England vorstellbar, daß zu einem Superkart-Rennen 100.000 Zuschauer kommen.
Ebensoviel sind es beim alljährlichen Kart-Grand-Prix in Silverstone, der übrigens von Coca Cola gesponsort wird. Was den Zuschauern eines Superkart-Rennens geboten wird, ist Sport-Unterhaltung erster Klasse. Die Startfelder umfassen bis zu 70 Teilnehmer, die vom Start weg bereit sind, alles zu geben. Jeder weiß, daß schon die erste Runde, ja die erste Kurve entscheidend sein kann. Denn im Gegensatz zu einem Formel-1-Rennen, das über eine Distanz von 300 Kilometern ausgetragen wird, gibt es bei einem Superkart-Rennen keinen Platz für taktische Überlegungen. Die Rennen sind gerade mal 50 Kilometer lang und entweder mischt man von Anfang an vorne mit oder gar nicht. Mit anderen Worten: Bei den Superkarts wird lieber knallhart um die ersten Plätze gekämpft und viel überholt, statt auf einen Tankstopp zu warten, der alles klären soll. Nicht viel weniger spektakulär ist das bloße Fahren der Superkarts auf einer Geraden. Denn eines darf man ja nie vergessen: Auch wenn wir mit 290 km/h daherschießen (1993 wurde in Silverstone auf der schnellsten Geraden eine Geschwindigkeit von 292 km/h gemessen) pilotieren wir trotzdem in erster Linie Karts. Das heißt, wir haben keine Federung. Was wiederum heißt, daß die kleinste Unebenheit direkt auf die Knochen geht. Da die Lenkung extrem direkt ist, ist es bei den ständigen Erschütterungen nur dem Geübten möglich, das Lenkrad gerade zu halten. Und für den Ungeübten ist es schon schwierig genug, mit den Füßen auf dem Gaspedal zu bleiben - oder auf dem Bremspedal, denn die nächste Kurve kommt garantiert. Ebenso garantiert ist, daß man in der Anbremszone der nächsten Kurve nicht allein sein wird. Die Rennstrecken, auf denen wir antreten, wurden ja für Rennwagen gebaut, die wesentlich breiter als Superkarts sind. Entsprechend breit sind auch die Fahrbahnen. Wenn bei normalen Autorennen zwei Rennwagen nebeneinander auf eine Kurve zuschießen, spricht jeder von einem beinharten Duell. Sind es gar drei, die sich vor der Kurve streiten, überschlägt sich die Stimme des Streckensprechers und die Zuschauer reißt es von den Tribünenplätzen. In unserem Sport sind es ganz locker bis zu zehn Fahrer, die sich nebeneinander auf die Kurve stürzen. MERKE: Wo viel Platz ist, gibt es auch viele Versuche. Und wo viel versucht wird, geht auch viel daneben. Stichwort Sicherheit: Zwar gibt es bei den Karts keine Knautschzonen, keine Sicherheitsgurte und keine Überrollbügel. Trotzdem sind wir keine "Kamikazefahrer", wie häufig behauptet wird. Schon deshalb nicht, weil der Superkart-Sport nicht unbedingt die Aufstiegsklasse für die jungen Heißsporne ist. Eher spricht er den erfahrenen Motorsportler an. Hinzu kommt, daß man in einem Kart extrem tief sitzt, der Massenmittelpunkt also sehr tief liegt und deswegen Überschläge außerordentlich selten sind. Meistens ist es mit wild aussehenden Drehern getan.
Schwere Unfälle sind wirklich selten. Kritisch wird es erst, wenn sich die Fahrer im Eifer des Gefechtes mit den freistehenden Rädern verhaken. Dann geht meistens einer der Kontrahenten ab wie eine Rakete, aber selbst dabei geht normalerweise nur Material zu Bruch. Bleibt nach der Beschreibung so vieler Vorzüge eigentlich nur noch die Frage, warum ich das alles erklären muß, warum die Superkarts in Deutschland nicht viel, viel bekannter sind. Auf diese Frage gibt es in Superkart-Fahrerkreisen nur eine Vermutung: Wir sind wohl einfach zu schnell mit unseren Flitzern. Welcher Veranstalter von großen Rennen mit "richtigen" Rennautos lädt schon gerne die "kleinen Karts" ein, die dann - das kann jeder an den Rundenzeiten ablesen - die meisten dieser "richtigen" Rennautos mehrfach überrunden könnten. Beim Großen Preis der Formel 1 in Adelaide 1993, wo wir im Rahmenprogramm antraten, fuhr der Pole-Mann der Superkarts Trainings-Zeiten, mit denen er im Formel-1-Feld in der vierten Reihe gestanden hätte.
So beurteilt ein Fachmann wie David Coulthard diese Rennfahrzeuge:
Nachdem der Formel 1 Pilot für das britische Magazin Autosport (4.August 1994) ein Superkart 250 getest hatte, gab er folgenden Kommentar ab:
"Ich habe noch nie etwas getan, wobei ich mehr Angst hatte. Was die reine Beschleunigung betrifft, kommt diese Maschine einem Formel 1- Grand- Prix -Auto sehr nahe. Das Bremssystem ist mit Sicherheit beeindruckender als alles, was ich bisher in der F3 und der F3000 erlebt habe."
Ich muss lachen, wenn sie die Leute "Go-Karts" nennen. All denjenigen, die so reden, kann ich nur antworten: "Versuchen Sie, das Gaspedal des Karts im sechsten Gang durchzudrücken, und sie werden Ihre Meinung ganz schnell ändern. Der Atem wird Ihnen stocken."
Wer könnte die Leistungsfähigkeit eines Superracekarts besser beschreiben als ein derartiger Kenner? |
|
Vergleich Superkart vs. Formel 3

Klicken Sie auf die Bilder für eine vergrößerte
Ansicht!
|